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Prof. Dr. Emil Kautzsch

Textbibel

Das Alte Testament

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Die Sprüche.

Kapitel 6.

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Warnung vor übereiltem Bürgen, vor Faulheit, Falschheit und anderen Sünden.

1 Mein Sohn, bist du Bürge geworden für deinen Nächsten,

hast du für einen anderen deinen Handschlag gegeben,
2 bist du verstrickt durch die Reden deines Mundes,
hast dich fangen lassen mit den Reden deines Mundes:
3 so thue doch dieses, mein Sohn, daß du dich errettest -
denn du bist in die Gewalt deines Nächsten geraten -
gehe hin, wirf dich nieder und bestürme deinen Nächsten.
4 Gönne deinen Augen keinen Schlaf,
noch deinen Wimpern Schlummer.
5 Errette dich wie eine Gazelle aus seiner Gewalt,
wie ein Vogel aus der Gewalt des Vogelstellers.

6 Gehe hin zur Ameise, du Fauler;
sieh ihre Weise an, daß du klug werdest!
7 Obwohl sie keinen Fürsten hat,
keinen Amtmann oder Gebieter,
8 bereitet sie doch im Sommer ihr Brot,
sammelt in der Erntezeit ihre Speise.
9 Wie lange, Fauler, willst du liegen?
Wann willst du aufstehen von deinem Schlaf?
10 Ja, noch ein wenig Schlaf, ein wenig Schlummer,
noch ein wenig die Hände ineinander schlagen, um zu ruhn:
11 So kommt wie ein Landstreicher die Armut über dich
und der Mangel wie ein gewappneter Mann!

12 Ein nichtsnutziger Mensch, ein heilloser Mann ist,
wer mit Falschheit des Mundes wandelt,
13 wer mit seinen Augen blinzelt, mit seinen Füßen deutet,
mit seinen Fingern Zeichen giebt,
14 in dessen Herzen Verkehrtheit ist,
der zu jeder Zeit Böses ersinnt,
Zänkereien anrichtet.
15 Darum wird urplötzlich Unglück über ihn kommen,
plötzlich wird er unheilbar zerschellen.

16 Sechs Stücke sind's, die Jahwe haßt,
und sieben sind ihm ein Greuel:
17 Stolze Augen, eine falsche Zunge
und Hände die unschuldiges Blut vergießen,
18 ein Herz, das arge Tücke ersinnt,
Füße, die behende zu bösem Thun eilen,
19 wer Lügen vorbringt als falscher Zeuge
und wer zwischen Brüdern Zänkereien anrichtet.

Warnung vor den buhlerischen Künsten des ehebrecherischen Weibes.

20 Bewahre, mein Sohn, das Gebot deines Vaters
und verwirf nicht die Weisung deiner Mutter.
21 Binde sie dir immerdar aufs Herz,
knüpfe sie dir um den Hals.
22 Wenn du gehst, möge sie dich geleiten;
wenn du dich legst, möge sie über dich wachen,
und wenn du aufwachst, möge sie dich anreden.
23 Denn eine Leuchte ist das Gebot und die Weisung ein Licht,
und ein Weg zum Leben sind die Rügen der Zucht,
24 daß du bewahrt werdest vor dem bösen Weibe,
vor der glatten Zunge der Auswärtigen.
25 Laß dich in deinem Herzen nicht nach ihrer Schönheit gelüsten,
noch fange sie dich mit ihren Wimpern.
26 Denn durch ein Hurenweib kommt man herunter bis auf einen Laib Brot,
aber eine Ehefrau erjagt ein edles Leben.
27 Kann wohl jemand Feuer in seinem Busen holen,
ohne daß seine Kleider brennen?
28 Oder kann jemand auf glühenden Kohlen gehen,
ohne daß seine Füße wund gebrannt würden?
29 Also ergeht's dem, der zu seines Nächsten Weib eingeht;
keiner, der sie berührt, bleibt ungestraft.
30 Man verachtet den Dieb nicht, wenn er stiehlt,
um seine Gier zu stillen, weil ihn hungert;
31 und wenn er ertappt wird, kann er's siebenfältig ersetzen,
kann alles Gut seines Hauses hingeben.
32 Wer aber mit einem Weibe die Ehe bricht, ist unsinnig;
nur wer sich selbst ins Verderben bringen will, thut solches.
33 Schaden und Schande gewinnt er,
und seine Schmach ist unauslöschlich.
34 Denn Eifersucht ist unversöhnlicher Mannesgrimm,
und am Tage der Rache schont er nicht.
35 Keinerlei Lösegeld kann ihn günstig stimmen;
er giebt sich nicht zufrieden, ob du auch viel schenken wolltest.